Kreativität und 

Social Media

 

Ich höre in diesen Tagen der Quarantäne und des Lock-Downs aufgrund der Corona-Pandemie viel über das Thema Kreativität und über „kreativ werden“. 

Musikalische Künstler zum Beispiel präsentieren ihre home-Konzerte und schreiben thematisch passende Texte über die aktuelle Lage. Künstler aus dem Kultur- und Kunstbereich hingegen imitieren auf Instagram grafische Kunstwerke und belegen in Farben und Form ihr Butterbrot damit. Ganz schön was los also, wenn man #zuhausebleiben muss und unter Quarantäne gesetzt wird! In den gestrigen Nachrichten sagte eine Journalistin, dass die Kreativität quasi jetzt erst richtig groß wird und überall entsteht, weil die Menschen nach Dingen suchen, mit denen sie sich neben Home Office, Kinderbetreuung & Co in ihren vier Wänden auch mal ablenken können. Aber ist es wirklich so?

Harte Zeiten für den Freigeist und Kreativen

Leider muss ich sagen, dass ich genau die Meinung so ganz und gar nicht teilen kann. Als kreativ Schaffende spreche ich aus eigener Erfahrung. Meine Businessbausteine #creation und #design sind quasi durch immer wieder neu entstehende Ideen geprägt, aber im Moment fühlt es sich so an, als ob so fast gar nichts mehr entsteht. Bei mir zumindest. 

Die von Journalisten beschriebene Kreativität in diesen Tagen hat für mich auch ehrlich gesagt nichts mit Ideenfindung eines Kreativen zu tun. Vielmehr ist es eine Not-Kreativität, die die Leute erfinderisch macht. Zweifelsohne können auch dabei gute Dinge entstehen, keine Frage. 

Neue Ideenfindung auf dem Prüfstand

Aber die Kreativität, die ich meine, hat eine völlig andere Bedeutung. 
Neue Ideen entstehen meiner Erfahrung nach aus dem Entdecken neuer Dinge und das ganz ohne Beschränkungen. Inspiriert durch Reisen, durch den Besuch neuer Orte und vor allem im Kontakt mit anderen Menschen, durch deren Erfahrung, von denen sie erzählen. Impulse fließen demnach dort, wo auch das Leben frei fließt, wenn ich das so sagen kann. Das alles ist im Moment blockiert. 
Verständlich. Nachvollziehbar. 
Trotzdem. 
Es ist auch das Leid des Kreativen. Harte Zeiten für den Freigeist. Finde ich.

Die Natur als kostbares Gut für kreatives Mindset

Zum Glück gibt es noch die Natur, in die wir im Moment gehen können und die uns jetzt im Frühling mit all ihrer Schönheit und Ästhetik beglückt. Sie ist authentisch und gibt Trost. Dafür bin ich dankbar. Inspiriert durch die Natur, entstehen wieder mehr klare Gedanken, die das kreative Arbeiten erleichtern können. Bei mir ist das jedenfalls so.
Das wusste übrigens auch schon der Freigeist und Dichter Johann Wolfgang von Goethe, an den ich mich in diesem Moment erinnern. Schon in meinem Germanistik-Studium war ich großer Fan seiner Verse und bin es immernoch, weil er lyrisch die Dinge auf den Punkt bringt. 
Daher schließe ich heute mit einem Gedicht von ihm diesen Text ab, das sich besonders gut auf die aktuelle Situation übertragen lässt. 

Natur und Kunst

Natur und Kunst,
sie scheinen sich zu fliehen,

Und haben sich,
eh' man es denkt, gefunden;

Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
Und wenn wir erst in abgemeßnen Stunden
Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
Mag frei Natur im Herzen wieder glühen.

So ist's mit aller Bildung auch beschaffen:
Vergebens werden ungebundne Geister
Nach der Vollendung reiner Höhe streben.

Wer Großes will, muss sich zusammen raffen;
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben. 
 Johann Wolfgang von Goethe (1800)


Bleiben Sie weiterhin gesund!

Herzlichst, Ihre 
Janina Stenzel